Kritik für die Lockerungen
"Wir haben relativ hohe Verluste"
Das Interview: Heiko Klaus Klepatz über die Corona-Pandemie und wirtschaftliche Folgen für die SG Marßel

Herr Klepatz, sind Sie als erster Vorsitzender der SG Marßel zurzeit nur geduldet?

Klaus Klepatz: Wir befinden uns in einer Grauzone, denn wir hätten im März 2020 eine neue Vorstandswahl durchführen müssen. Die steht daher dringend an, sobald es wieder möglich ist. Momentan sind wir also kommissarisch im Amt.

Dabei war für die Wahl eigentlich schon alles vorbereitet ...

Ja, wir standen in den Startlöchern. Am 16. März war der Termin und am 13. März kam es zum Lockdown. Wir stehen auch voll hinter den Entscheidungen der Bundesregierung. Die Verantwortung für unsere Mitglieder nehmen wir sehr ernst.

Die Bundesregierung hat nun jedoch Lockerungen angekündigt, die auf Länderebene bereits umgesetzt werden ...

Wir stehen den Lockerungen skeptisch gegenüber. Vorletzte Woche Mittwoch kam die Entscheidung für den Freiluftsport, aber jeder Person müssen zehn Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Dazu muss der Abstand von anderthalb Metern eingehalten werden. Das ist bei Erwachsenen denkbar, aber wir haben alleine 120 Kinder im Fußballbereich. Das sehen wir mit ganz großer Sorge.

Weil Kinder die Vorgaben nicht umsetzen können?

Kinder sind anders gepolt, die können sie nicht so strukturieren wie einen Erwachsenen. Wie kriegen wir bei Kindern die anderthalb Meter Abstand hin? Das ist die große Herausforderung. Die Politik hat die Verantwortung an die Vereine und Trainer übergeben, das sehen wir sehr kritisch. Wir sind gut durch die erste Welle der Corona-Pandemie durchgekommen, aber wir haben, was ich so lese, auch eine zweite Welle zu erwarten.

Es gibt schon Überlegungen, auch den Hallensport wieder aufzunehmen ...

Da sollen die Toiletten auf sein, die Umkleiden aber nicht – wer will das kontrollieren? In der noch gültigen Verordnung des Bremer Senats steht, dass die Fahrlässigkeit schon strafbar ist. Wenn sie fahrlässig handeln, ist das ein Moment in ihrem Leben, in dem sie einmal nicht aufgepasst haben. Dies zur Strafbarkeit zur erklären, ist für uns zumindest eine kritische Anmerkung, die man immer im Hinterkopf haben muss – wenn man alles ernst nimmt. Und wir müssen das ernst nehmen, denn die Gefahr ist nicht vorbei.

Fühlen Sie sich hier von der Politik alleine gelassen?

Wir haben das Problem, dass uns niemand die Verantwortung abnimmt. Die liegt jetzt einzig und allein in den Vereinen. Und die Ordnungsämter fahren, zu Recht, durch Bremen-Nord und kontrollieren, ob die Menschen alles einhalten. Aber was passiert, wenn das Ordnungsamt uns als Verein in allen Punkten der Verordnung durchprüft und kontrolliert. Ist es uns als Vorstand möglich, jedem unserer 60 Trainer konkret zu sagen, was er in der Situation X zu tun hat? Der Trainer guckt auf dem Fußballplatz nach links, in dem Moment stehen rechts drei oder vier Spieler zu nah zusammen. Das könnte schon eine Fahrlässigkeit sein, wenn man es streng auslegt.

Sind die Beschränkungen für Sie eher Richtlinien oder Regeln?

Der Punkt ist, dass wir aufeinander aufpassen müssen, völlig losgelöst von diesen zehn Quadratmetern Platz oder anderthalb Metern Abstand. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen wegen der Corona-Krise mehr Verständnis für ihr Gegenüber entwickeln. Diese Vorsicht müssen wir in der Praxis umsetzen. Das heißt, wir müssen bei den Sportlern ein Verständnis entwickeln, dass sie auch eine Verantwortung für ihr Gegenüber haben. Deshalb: Ja, ich finde es sind Regeln und keine Richtlinien. Und man muss sich auch daran halten.

Sie stehen den Lockerungen also ablehnend gegenüber?

Für die Kinder finde ich die Lockerungen gut. Aber den Mannschaftssport sehe ich noch sehr kritisch. Auf der einen Seite ist es positiv, dass es wieder losgehen kann. Auf der anderen Seite haben wir noch einige Sorgen, die uns belasten. Wie können wir alle Vorschriften regelkonform umsetzen? Die Trainer werden nicht auf alles achten können, ich glaube das ist jedem bewusst.

Werden Sie daher keine Lockerungen für Ihren Verein übernehmen?

Doch. In der Leichtathletik haben unsere Trainer einen Trainingsplan erstellt und online verteilt. Da trainiert ein Sportler mit einem Trainer in Zweiergruppen. Wir haben zudem große Mengen an Desinfektionsmittel geordert, um für die Wiederaufnahme des Hallensportes gerüstet zu sein. Wir wollen die Lockerungen unterstützen, wir verteufeln das nicht. Wir wollen mithelfen, dass unsere Sportler, Trainer und Abteilungsleiter gesund und motiviert Sport treiben können.

Wie gehen die anderen Sportarten mit den Lockerungen um?

Unsere Boxabteilung würde mit ihren 90 Mitgliedern jetzt gerne den Rasenplatz nutzen. Wir haben allerdings zwölf Fußballmannschaften, die den Platz auch nutzen wollen. Unser Platzwart soll deshalb einen Plan erstellen, wie interessierte Abteilungen den Rasenplatz nutzen können. Wir haben ja leider keinen Kunstrasenplatz, obwohl wir seit 20 Jahren auf der Warteliste stehen. Aber wir sind nicht ungeduldig und warten weiter.

Haben Sie weitere Wünsche für die Zukunft, abgesehen vom Kunstrasenplatz?

Wir haben eine Sporthalle bei der Schule Helsinkistraße, die dringend saniert werden muss. Ich würde mir auch wünschen, dass wir einen Initiator finden, der die Handballabteilung wieder ins Leben ruft. Der Kunstrasenplatz ist auf der Wunschliste aber ganz oben, auch wenn der wieder mit Kosten verbunden ist.

Inwiefern?

Ein Kunstrasenplatz ist das eine, aber man muss ihn auch reinigen. Das Equipment müssen wir anschaffen. Diese Zusatzkosten sind nicht ganz ohne, da geht es um einige Tausend Euro. Das sehen die Mitglieder natürlich nicht, aber wir wollen ihnen den Kunstrasenplatz gerne ermöglichen.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Corona-Pandemie für Ihren Verein?

Die SG Marßel ist eine starke Gemeinschaft. Wir haben, Gott sei Dank, nur wenige Menschen, die sich abgemeldet haben. Auch die Mitgliedsbeiträge für das zweite Quartal wurden zu 98 Prozent bezahlt. Aber wir haben keine Vermietungen für unsere drei Gesellschaftsräume, keine Einnahmen aus den Pachten und wir können keine Kurse durchführen. Wir haben relativ hohe Verluste, die wir so gut wie gar nicht kompensieren können.

Wie hoch ist der Jahresetat der SG Marßel und wie viel Geld geht dem Verein durch die Corona-Krise verloren?

Wir nehmen etwa 70 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen ein, brauchen aber 120 000 Euro, um durchzukommen. Die restlichen 50 000 Euro stammen aus Kursen, Vermietungen, Zuschüssen, Spenden und Pachten.

Anteilig hat Ihr Verein in den drei Monaten also knapp 10 000 Euro weniger eingenommen?

Das ist ein bisschen hoch gegriffen, aber ich denke unsere Verluste summieren sich bei 5000 oder 6000 Euro. Zum Glück haben wir ein paar Rücklagen gebildet.

Greift hier dann die Förderung des Landessportbundes?

Die Förderungen des Landessportbundes bekommt man nur, wenn man den Ausfall nachweisen kann. Wenn Vermietungen nicht stattfinden, weil kein Interesse da ist, können Sie das ja nicht nachweisen.

Das Interview führte Mario Nagel.

Aus "Die Norddeutsche" vom 14.05.2020

Tischtennis-Damen besiegen den ttc berlin eastside II mit 8:1 und den TuS Germania Schnelsen mit 8:2
Klaus Grunewald

Marßel.Eine Woche nach der unnötigen 4:8-Heimniederlage gegen den RSV Braunschweig haben sich die Tischtennis-Damen der SG Marßel wieder in gewohnter Stärke präsentiert. Sie gewannen die Regionalliga-Spiele gegen den ttc berlin eastside II 8:1 sowie beim TuS Germania Schnelsen 8:2 und verbesserten sich mit 16:10 Punkten auf den vierten Tabellenplatz. Resümee von Trainer und Teammanager Thomas Bienert: „Wir sind als klarer Favorit in die Begegnungen gegangen und haben das durch konzentrierte Leistungen unterstrichen.“

SG Marßel – ttc berlin-eastside II 8:1: Zum Auftakt des Doppelspieltages gelang dem Marßeler Quartett Elina Vakhrusheva, Jennifer Bienert, Sofia Stefanska und Klara Bruns am Sonnabend ein ungefährdeter 8:1-Erfolg über das Schlusslicht ttc berlin eastside II. Die Heimpartie, die erstmals in der Halle der Borchshöher Schule ausgetragen wurde, dauerte nur zwei Stunden. Und auch das Satzverhältnis von 24:11 unterstrich die Überlegenheit des Teams von Thomas Bienert.

Die Nordbremerinnen machten bereits in den beiden Doppelbegegnungen deutlich, dass sie sich nicht nur für die Heimpleite gegen Braunschweig, sondern auch für die 5:8-Hinspielniederlage in der Bundeshauptstadt revanchieren wollten. Am 1. Dezember 2019 konnte die SG Marßel nur mit drei Spielerinnen antreten und musste vier Punkte kampflos abgeben, weil Jennifer Bienert aus beruflichen Gründen kurzfristig hatte absagen müssen.

In der Borchshöher Sporthalle legten Elina Vakhrusheva und Sofia Stefanska gegen Arina Spektor und Josephine Plonies sowie Jennifer Bienert und Klara Bruns gegen Johanna Salzmann und Lea Haupt mit ungefährdeten 3:1-Erfolgen in den beiden Doppeln den Grundstein für den späteren Kantersieg. Marßels Nummer eins, Elina Vakhrusheva, zeigte anschließend Arina Spektor (Berlins Nummer zwei), beim 3:1 und Eastside-Spitzenspielerin Johanna Salzmann beim 3:0-Erfolg die Grenzen auf.

Auch Jennifer Bienert (jeweils 3:1 gegen Salzmann sowie gegen Spektor) verbuchte zwei ungefährdete Einzelerfolge. Ebenso wie Marßels Nummer drei, Sofia Stefanska, die sich gegen Lea Haupt (Nummer vier) in vier Sätzen behauptete und für den entscheidenden achten Punkt der Nordbremerinnen in fünf Sätzen gegen Josephine Plonies ihren Kampfgeist in die Waagschale werfen musste. Die einzige Niederlage der Heimmannschaft kassierte Klara Bruns (Nummer vier) beim 0:3 gegen Plonies. Fazit von Thomas Bienert: „Wir haben in Normalform gespielt und eastside keine Chance gelassen.“

TuS Germania Schnelsen – SG Marßel 2:8: Ebenfalls nur zwei Stunden benötigte die SG Marßel am Sonntag, um im Hamburger Bezirk Eimsbüttel zwei weitere Punkte einzusacken. Dabei ließen sich die Gäste auch nicht von der Auftaktniederlage im ersten Doppel beeindrucken, das Jennifer Bienert und Klara Bruns in fünf hart umkämpften Sätzen gegen Jana Fernholz und Daniela Hennig mit 2:3 verloren. Schon Elina Vakhrusheva und Sofia Stefanska gelang im zweiten Doppelmatch mit einem 3:1 über Viet Than Tran und Julietta Gez der Ausgleich.

Danach setzte sich Marßels Nummer zwei, Jennifer Bienert, gegen Schnelsens Spitzenspielerin Jana Fernholz in vier Sätzen durch, während Marßels Nummer eins, Elina Vakhrusheva, drei Sätze benötigte, um Viet Than Tran (Position zwei) zu bezwingen. Dann aber musste das Bienert-Team seine zweite Niederlage an diesem Sonntag hinnehmen. Klara Bruns (Position vier) unterlag Schnelsens Nummer drei, Daniela Hennig, mit 2:3, obwohl sie die Sätze drei und vier klar gewonnen und den Ausgleich erzielt hatte.

Doch im entscheidenden fünften Durchgang wurde nach den Worten ihres Trainers einmal mehr deutlich, dass die 20-Jährige bisweilen Konzentrationsprobleme hat. Freilich nicht im letzten Match des Tages. Das entschied Klara Bruns in nur drei Sätzen gegen Schnelsens Nummer vier, Julietta Gez, deutlich für sich. Problemlos in der Erfolgsspur waren zuvor auch Sofia Stefanska (jeweils 3:1 gegen Julietta Gez sowie gegen Daniela Hennig), Elina Vakhrusheva, die im Spitzenspiel Jana Fernholz ebenfalls 3:1 bezwang, und Jennifer Bienert gegen Viet Than Tran (3:0) geblieben.

Freute sich Thomas Bienert: „Die zweite Hälfte der insgesamt zehn Begegnungen haben wir ausnahmslos und relativ deutlich für uns entschieden.“ Und auch das Satzverhältnis von 28:11 machte die Überlegenheit der Gäste deutlich.

Aus "Die Norddeutsche" vom 24.02.2020