Eigentlich wollten die Leichtathleten der SG Marßel jetzt im Landschulheim Hohegeiß sein und in der „Harzer Hölle“ die Grundlagen für die Freiluftsaison legen. Dreimal täglich wollte Trainer Gerold Christen während des traditionellen einwöchigen Trainingslagers zu intensiven Kraft- und Ausdauereinheiten bitten. Mit den älteren Athleten wollte er an technischen Details arbeiten. Wie in allen Sportarten ist es anders gekommen als geplant. Unter anderem ärgerlich für SGM-Vorzeigeathletin Rebecca Christen, befand sie sich doch zum Abschluss der Hallensaison in bestechender Form.

Beim Hallenmeeting des LC Hansa Stuhr in der Leichtathletikhalle des Weserstadions hatte sie mit 5,26m ihre bereits seit 9 Jahren bestehende persönliche Bestleistung im Weitsprung pulverisiert. Neben Rebecca setzten in Bremen weitere SGM-Athleten deutliche Ausrufezeichen. Clara Ruppelt egalisierte im Hochsprung der W14 ihre persönliche Bestleistung von 1,48m, musste sich nur Sophie Scheidt vom VfL Löningen geschlagen geben, knackte aber bereits die Norm für die Teilnahme an den diesjährigen Landesmeisterschaften. Die Startberechtigung für die Landesmeisterschaften holte sich auch Tyrese Deede. Das Sprintass der SGM siegte über 60m der männlichen U18 und schraubte seine persönliche Bestleistung auf 7,49s. Der dritte Platz im Weitsprung der M14 war für Sebastian Loeper nebensächlich. Mit 4,99m verfehlte er nur denkbar knapp die 5m-Marke, freute sich aber über einen neuen persönlichen Rekord und die LM-Quali. Mit Amalia Gröning machte ein junges SGM-Talent auf sich aufmerksam. 4,21m im Weitsprung, 8,79s über 60m und 1,24m im Hochsprung, überdurchschnittliche Leistungen für eine 11-Jährige, wie auch Trainer Gerold Christen empfand. „Amalia wird ganz sicher auch in Zukunft noch öfters aufhorchen lassen.“

 

Auch bei den diesjährigen Hallenmeisterschaften des NLV und des BLVim Sportleistungszentrum Hannover gelang es dem kleinen Leichtathletik-Team der SG Marßel, den Großen der Szene Parolo zu bieten.

Der Sprung ganz nach oben gelang den Athleten aus dem Bremer Norden nicht, 2 fünfte Plätze und ein dritter Platz sind aber große Erfolge für das Team um Trainer Gerold Christen.

Für die fünften Plätze sorgte SGM-Allrounder Sebastian Loeper im 60m-Hürden-Finale der M14 mit 10,62s und im Weitsprung-Finale mit 4,62m. Insbesondere Sebastians Leistung über die Hürden hatte es seinen Trainer angetan. „Sebastian lief die Strecke technisch sauber in einem 3er Rhythmus. Ich bin sicher, er wird noch näher an die Podiumsplätze heranrücken.“

Aufs Podest klettern durfte die weibliche 3 x 800m-Staffel der Frauen. Die beiden vor ihnen liegenden Staffel ließen den SGM-Mädels Rebecca Christen, Amelie Cselenyi und Michelle Schlegel nicht den Hauch einer Chance, Gerold Christen war aber dennoch sehr angetan von der Endzeit seiner Truppe von 7:58,79 min. „Rebecca und Amelie haben ihre vier Bahnrunden enorm souverän unter 2:35 min abgespult. Vor dem Mut Michelles, sich als 14-Jährige mit den erwachsenen Damen zu messen, ziehe ich meinen Hut.“

Den Hut ziehen konnte Christen auch vor den beiden weiteren SGM-Meisterschaftsteilnehmern David Borisow und Clara Ruppelt. Clara überzeugte als Sechste im Hochsprung der W14 mit übersprungenen 1,45m sowie mit einem guten Kugelstoßergebnis von 8,79m/Platz 7.

In der Kugelstoß-Konkurrenz der männlichen Jugend U20 lag David nach dem vierten Durchgang noch auf Platz 6, musste sich aber am Ende trotz persönlicher Steigerung auf 10,68m mit Platz 8 zufriedengeben.

Einen erfolgreichen Jahresabschluss feierten Charlotte Hesse und Tyrese Deede. Die beiden Leichtathleten der SG Marßel Bremen knackten beim Hamurger Hallenmeeting über 60m die Qualifikationsnormen für die Landesmeisterschaften.

Charlotte stürmte im Endlauf der U16 als Fünfte in 8,44s über die Ziellinie, den dritten Platz lediglich um eine Winzigkeit von 2 Hundertstelsekunden verfehlend. Für Trainer Gerold Christen aber kein Grund zum Trübsal sondern zur Freude. „Für eine großgewachsene Athletin wie Charlotte ist die Endzeit über die kurze Sprintstrecke absolut top.“

U18-Athlet Tyrese Deede sprintete die 60m in 7,62s und sorgte so für das zweite Spitzenresultat des Nordbremer Teams. „Fehlerloser Lauf.“, so Christens Kommentar zu seinem vielseitigen Schützling. Wie breitgefächert ihre Talente sind, demonstrierten die männlichen Athleten der SGM beim Hamburger Hallenevent im Weitsprung und im Kugelstoß. Tyrese Deede landete bei 5,31m und stieß die 5-kg-Kugel auf 10,21m. Übertroffen wurde er im Kugelstoß von seinem Trainingspartner David Borisow. Er katapultierte im Wettkampf der Männer die 7,25.kg-Kugel auf 10,67m. Im Weitsprung der Männer landete Jan Kleinekathöfer trotz deutlich reduziertem Training bei 5,97m und ließ trotz verpasstem Endkampf seinen Trainer jubeln.

2019 ist Geschichte – Zeit für eine Jahresbilanz. Doch wo beginnen, wo aufhören? Chronologisch vorgehen oder Erfolge auflisten? Woran messen wir Erfolg?

Man kann die letzte Frage einfach beantworten: an Zeiten, Titeln und Platzierungen. Da konnten wir 2019 eine Menge vorweisen: an erster Stelle die Silbermedaille Rebecca Christens bei den Fünfkampf-Landesmeisterschaften der Frauen. Zum siebten Mal in Folge kletterte Rebecca aufs Treppchen. Sie ist unser sportliches Aushängeschild – ein Muster an Konstanz, das Ideal einer ambitionierten Sportlerin.

Rebecca steht auch für ein weiteres Ideal: der SGM-Leichtathletikfamilie. Auch 2019 haben wir wieder versucht, jung und alt zusammenzubringen, jung von alt lernen, alt von jung profitieren zu lassen.

Perfekt umsetzen konnten wir das auch 2019 in unserem traditionellen Trainingslager „Harzer Hölle“. Über 20 SGM-Athleten machten sich mit Trainer Gerold Christen auf den Weg nach Hohegeiß, um eine Woche lang den Fokus auf Sport und Gemeinschaft zu legen. Sechs Tage hieß es mal wieder: in völliger Abgeschiedenheit mit ganz viel Spaß trainieren, trainieren, trainieren. Wer es nicht glaubt: die Harzer Hölle 2020 ist bereits in Planung – unbedingt bei Gerold anmelden.

Trotz Abiprüfungen, Ausbildungen, Studium ist die Harzer Hölle für viele Ältere ein fixer Termin im Kalender. In Person von Rebecca haben die Älteren in der letzten Harzer Hölle auch die Trainingsregie für die Jüngeren übernommen. Der Effekt der Harzer Hölle zeigte sich dann in den Ergebnissen der Freiluftsaison 2019. Reihenweise purzelten bei allen im Harz „Gequälten“ die persönlichen Rekorde.

Die größten Leistungsexplosionen sah man bei unseren U14-Athleten. Den lautesten Knall gab es bei Sebastian Loeper. Um beim Wortspiel zu bleiben: wann, wo, und wie Sebastian in den letzten 12 Monaten neue Bestmarken aufgestellt hat, würde den Rahmen des Berichts sprengen. Ablesen kann man seine Erfolge in der Jahresbestenliste. In Bremen hat sich Sebastian mit weitem Abstand als bester Mehrkämpfer seines Jahrgangs etabliert.

Sebastian in nichts nach stand die Riege der weiblichen U14-Athletinnen. Das Team um Michelle Schlegel, Annika Sajnog und Clara Ruppelt dominierte die Mehrkämpfe in der Region, sie pushten sich gegenseitig von Erfolg zu Erfolg und sind als Mannschaft momentan nur sehr schwer zu schlagen.

Sie sind das Synonym für die Ziele der SGM-Leichtathletik. Nicht der Einzelne mit seiner Paradedisziplin steht im Vordergrund. Vorrang hat das Team und eine Mehrkampfgrundausbildung. In der Leichtathletikszene Bremens ist dies ein Alleinstellungsmerkmal – auf das wir sehr stolz sind und auch sehr stolz sein können. Wie gut unser Konzept funktioniert, zeigte sich 2019 bei den Niedersächsischen und Bremer Mehrkampfmannschaftsmeisterschaften im Oldenburger Marschwegstadion. Die SGM stellte mit Abstand das jüngste Team im Frauenwettbewerb. Trainer Gerold Christen musste aber nicht eine Mannschaft zusammensuchen, sondern konnte sich auf enorm engagierte Mädels verlassen. In Oldenburg gingen Topathletin, ganz junge Heißsporne und alte Hasen gemeinsam an den Start. Mit Platz 6 ließen sie namhafte Konkurrenz hinter sich.  Wichtiger als die Platzierung war aber die Außendarstellung der SGM: im Bremer Norden vereint sich Sport mit Gemeinschaft.

Dieses Bild auch 2020 abzugeben ist unser großes Ziel. Wir sind optimistisch es zu erreichen. Wir freuen uns auf die kommenden 12 Monate.

Passend zum Weihnachtsfest beschenkte sich Leichtathlet Sebastian Loeper von der SG Marssel mit Top-Leistungen selbst. Beim Adventssportfest des SV Werder Bremen unterbot er in 3 Disziplinen die geforderten Landesmeisterschaftsnormen und krönte sein erfolgreiches Wettkampfjahr 2019.

„Bewegungsdrang und Bewegungstalent, das zeichnet Sebastian aus.“, weiß Marssels Trainer Gerold Christen um die Fähigkeiten seines Schützlings. „In diesem Jahr ist es ihm gelungen, die Fähigkeiten auch in Resultate umzusetzen.“

In der Leichtathletikhalle des Weserstadions demonstrierte der 13-Jährige einmal mehr seine Vielseitigkeit und unterstrich seine momentane Ausnahmestellung unter den Bremer Leichtathleten der Altersklasse U14.

Im Weitsprung musste er sich lediglich dem niedersächsischen Kaderathleten Leon Michelmann vom TSV Asendorf beugen. Mit 4,92m kratzte Sebastian Loeper aber an der 5m-Marke. Diese zu übertreffen ist gemeinsames Ziel von Athlet und Trainer für 2020. „Arbeitet Sebastian weiter so konstant, wird er dieses Ziel auch ganz sicher erreichen.“, blickt Gerold Christen optimistisch in die Zukunft.

Gespannt sein darf man auch auf die Entwicklung Sebastian Loepers im Sprintbereich. Über 60m musste er sich im Finale des Bremer Hallenmeetings wieder nur Leon Michelmann beugen, qualifizierte sich wie im Weitsprung mit seiner Zeit von 8,2s aber für die Landesmeisterschaften.

Die Qualinorm knackte Sebastian darüber hinaus über 60m Hürden. Nach 10,1s überquerte er als Zweiter die Ziellinie und ließ dennoch seinen Trainer jubeln. „Sensationell für Sebastians ersten Start in der technisch hoch anspruchsvollen Disziplin.“ Der Blick Gerold Christens richtet sich aber bereits nach vorn. „Die Qualifizierungen sind ein tolles Geschenk. 2020 wird sich zeigen, ob sich Sebastian weiter zu einem großartigen Mehrkämpfer entwickeln kann.“

Michael Lühmann