Ferienprogramm der SG Marßel bietet Interessierten zweimal wöchentlich die Möglichkeit zum Probetraining
Marßel. Die Sporthalle an der Oberschule Helsinkistraße erweckt an diesem Abend den Eindruck einer Kaderschmiede für angehende Boxprofis: Acht verschiedene Boxsäcke, Punchingbälle und weitere Trainingsgeräte warten auf ihren Einsatz, werden von den anwesenden zehn Personen zunächst jedoch wenig beachtet. Stattdessen wärmen die Teilnehmer sich zunächst mit einer kurzen Runde Fußball auf.
„Unsere Aufwärmphasen dauern zumeist bis zu einer Stunde, bevor die ­Boxhandschuhe übergestreift werden“, erklärt Trainer Georg Surm, der seit zwei Jahren die Boxabteilung der Sportgemeinschaft (SG) Marßel leitet. Seither bietet er in den Sommerferien zweimal wöchentlich ein offenes Boxtraining an: „Dieses Jahr hat es jedoch zum ersten Mal geklappt, dass dieses Angebot tatsächlich auch im Ferienprogramm zu finden ist“, bemerkt der Trainer lakonisch.
Jeweils dienstags und donnerstags wird ab 18 Uhr in der Sporthalle der Oberschule trainiert. Nach der Fußballpartie stellen sich die Teilnehmer in zwei Reihen auf. Sie werfen ihrem jeweiligen Gegenüber einen Medizinball zu. „Wir wollen hier ja schließlich jeden Muskel trainieren“, erklärt Surm und fügt schmunzelnd hinzu: „So ein bisschen Bauch-Beine-Po gehört dann auch dazu.“ Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Teilnehmern nicht: Etwa 30 Sekunden lässt der Trainer seinen Boxaspiranten zwischen den per Stoppuhr gemessenen Übungen zum Luftholen und um hin und wieder einen Schluck zu trinken. Die Trainingseinheit wirkt straff geplant und durchorganisiert.
Dabei ist insbesondere beim Ferienprogramm viel Improvisation gefragt, denn die Teilnehmer wechseln von Mal zu Mal: „Ich kann im Vorfeld nur die Geräte aufbauen und sehe dann zu Beginn des jeweiligen Trainings, wie viele und wer überhaupt gekommen ist. Davon abhängig plane ich dann situativ die jeweilige Trainingseinheit“, erklärt Surm seine Vorgehensweise. Dieser Aspekt stört ihn nicht: „Anders als beispielsweise Fußball, das ein Mannschaftstraining zwingend erfordert, ist Boxen nun einmal eine Individualsportart.“
Alleine durch sein imposantes, durchtrainiertes Erscheinungsbild und seine knappen, aber präzisen Übungsanweisungen hat der Trainer die Gruppe gut im Griff. Diese zeigt sich ziemlich heterogen: Trotz der Überschrift „Ferienprogramm“ sind nicht nur Heranwachsende gekommen. Ein Teilnehmer hat sogar bereits das siebzigste Lebensjahr vollendet. Er nutze fast jede sich bietende Gelegenheit, um sich fit zu halten, erzählt er. Auch ein Vater-Sohn-Gespann aus Blumenthal hat sich zum gemeinsamen Training eingefunden. Ein Mädchen ist an diesem Tag ebenfalls unter den zehn anwesenden Teilnehmern.

Fitness steht im Vordergrund
Zeit für Gespräche bleibt indes nicht: Trainieren statt parlieren lautet die Devise in der Sporthalle. Die einzelnen Übungen dauern meist ein bis zwei Minuten, dann geht es nach ein paar Sekunden Verschnaufpause gleich mit der nächsten Aufgabe weiter. Gesamtkörperliche Fitness genießt in Surms Trainingskonzept oberste Priorität. „Der Selbstverteidigungsaspekt spielt natürlich auch eine Rolle, aber in erster Linie geht es hier um Fitness durch Boxtraining“.
Wenn es nach der ausgedehnten Aufwärmphase ans eigentliche Boxtraining geht, achtet Surm aufmerksam auf die Sicherheit der Teilnehmer: Sparringsübungen werden ausschließlich mit Kopf- und Mundschutz absolviert. Ein blaues Auge oder sogar eine blutige Nase kommen somit nicht vor, auch wenn Surm dem Partnertraining generell den Vorzug vor dem Gerätetraining gibt: „Man kann und muss sicherlich auch mal am Boxsack trainieren, die wirklichen Techniken und Verhaltensweisen für Wettkämpfe lernt man jedoch besser beim Sparring“, weiß der erfahrene Boxtrainer, der im Rahmen seiner Laufbahn bereits unzählige Nachwuchs- und Freizeitboxer im Raum Norddeutschland ausbildete.
Ein Quereinstieg oder eine Schnupperstunde für Interessierte ist im Rahmen
der Ferientrainingszeiten dienstags und donnerstags jeweils ab 18 Uhr in der Sporthalle an der Oberschule Helsinkistraße auch ohne Voranmeldung möglich und kostenfrei.

Aus "Die Norddeutsche" vom 20.07.2017